Knieschmerzen


Knieschmerzen haben verschiedene Ursachen und Symptome

Das Kniegelenk verrichtet täglich Schwerstarbeit. Beim Laufen, Treppensteigen und sogar im Sitzen wirken starke Kräfte auf unser größtes Gelenk im Körper ein. Eine gut konstruierte Anatomie garantiert im Alltag einen buchstäblich reibungslosen Bewegungsablauf. Umso unangenehmer beeinträchtigen Knieschmerzen die Lebensqualität. Informieren Sie sich hier zu den verschiedenen Arten von Schmerzen des Kniegelenks und wo diese mit welchen Symptomen auftreten können. So können Sie und Ihr Arzt den Ursachen Ihrer Knie-Beschwerden auf den Grund gehen und eine optimale Behandlung beginnen.

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Arten von Knieschmerzen

Wenn Ihre Knie schmerzen, bemerken Sie häufig eine ganz bestimmte Stelle, an der sich die Schmerzen zeigen. Auch wann die Beschwerden auftreten, kann Aufschluss darüber geben, was im Gelenk nicht in Ordnung ist. Um Ihre Schmerzen besser verstehen und behandeln zu können, werden diese so eingeordnet:

  • Ort: an der Vorder- oder Rückseite, an der inneren oder äußeren Seite des Knies
  • Dauer: akute Schmerzen, die plötzlich einsetzen und nach wenigen Stunden oder Tagen nachlassen oder aber chronische Schmerzen, die sich langsam aufbauen und länger als sechs Wochen bis drei Monate bestehen
  • Zusammenhang:  unter Belastung oder in Ruhe – beim (längeren) Laufen, im Sitzen, in Ruhe, nur nachts, bei oder nach bestimmten Bewegungen, bei gebeugtem oder gestrecktem Knie

Symptome von Kniegelenkschmerzen

Je nach Ursache der Kniegelenkschmerzen können sich diese unterschiedlich bemerkbar machen.

Akute Schmerzen im Knie zeigen sich durch:

  • einschießende
  • stechende
  • drückende
  • dumpfe
  • krampfartige oder
  • ziehenden Schmerzen.

Hinzu kommen oft Bewegungseinschränkungen des Knies oder Blockierungs- oder Instabilitätsgefühle im Kniegelenk.

Äußerliche Kennzeichen können zudem sein:

  • entzündliche Schwellungen
  • Rötungen
  • Überwärmungen und
  • Ergüsse im Bereich des Kniegelenks.

Chronische Schmerzen äußern sich durch ähnliche Symptome, entwickeln sich aber meist kontinuierlich über einen Zeitraum von mehreren Monaten oder Jahren und nehmen mit der Zeit an Intensität zu.

Gesunde Gelenke schmerzen nicht - Prof. Dr. Bamberger
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Wo können Knieschmerzen auftreten?

Vorderer Knieschmerz

Knieschmerzen an der Vorderseite und in den Bereichen um das Kniegelenk in Richtung Ober- und Unterschenkel können diese Ursachen haben:

  • Die Kniescheibe (Patella) selbst ist betroffen, zum Beispiel wenn diese sich verschiebt, asymmetrisch fehlgebildet ist (Patelladysplasie) oder ausgerenkt wurde (Patellaluxation).
  • Die beiden Bänder (Patella- und Quadriceps-Sehne), die die Kniescheibe horizontal stabilisieren, können zu Schmerzen führen, zum Beispiel durch Überdehnung oder Zerrung.
  • Sportler leiden häufig unter einem Patellaspitzensyndrom, der Überlastung der Patella-Sehne unterhalb der Kniescheibe.
  • Eine Arthrose hinter der Kniescheibe (Retropatella-Arthrose) oder im Kniegelenkspalt kann für Knieprobleme verantwortlich sein, wenn dort die Knochen aneinander reiben.
  • Im vorderen Bereich des Knies kann eine Schleimbeutelentzündung mit Schmerzen einhergehen.

Kniegelenkvorne.png
Die Kniescheibe und der Bandapparat des Knies in der Vorderansicht

Schmerzen in der Kniekehle

Schmerzt es an der Rückseite des Kniegelenks, handelt es sich um Kniekehlenschmerzen. Hintergründe dafür sind:

  • Beschädigungen an den Bändern, zum Beispiel der Kreuzbänder.
  • Es kann auch eine sogenannte Baker-Zyste vorliegen. Dabei sammelt sich Gelenkkapselflüssigkeit in einer Zyste im hinteren Schleimbeutel des Kniegelenks an – das Knie schwillt an und die Kniekehle schmerzt und spannt, besonders beim Strecken oder weitem Beugen des Gelenks.
  • Der hintere Meniskus kann beschädigt sein, der Schmerz ist dann stechend zu spüren.
  • Auch Kniearthrose kann Schmerzen in der Kniekehle verursachen, dieser Schmerz zieht eher dumpf an der Oberschenkelrückseite entlang.
  • Eine seltene Ursache für Kniekehlenschmerzen kann eine Thrombose sein, bei der das Bein zusätzlich anschwillt und sich rötet oder bläulich verfärbt. Wenn einige Risikofaktoren (wie Bewegungsmangel, Übergewicht, Blutgerinnungsstörungen oder Krampfadern) auf Sie zutreffen, sollten Kniekehlenschmerzen auch in diese Richtung mit Ihrem Arzt abgeklärt werden.

Die Innenseite des Kniegelenks schmerzt

Schmerzen an der Innenseite des Kniegelenks werden als innere Kniegelenkschmerzen oder medialer Knieschmerz bezeichnet:

  • Diese betreffen in der Regel den inneren Kniegelenkspalt sowie die inneren Ober- und Unterschenkel mit den umgebenden Weichteilen.
  • Häufig treten sie auf, wenn ein Schaden am Innenmeniskus oder eine Innenbandverletzung des Knies vorliegt.
  • Auch eine Arthrose oder entzündete Schleimbeutel an der Innenseite des Kniegelenks können für innere Knieschmerzen verantwortlich sein.
  • Weitere mögliche Ursachen für Beschwerden an der Knie-Innenseite sind Achsfehlstellungen wie die O-Beine.

Kniegelenk mit Bändern und Sehnen
Das Kniegelenk von der Seite betrachtet © bilderzwerg / Fotolia

Die Außenseite des Knies schmerzt

Äußere Knieschmerzen werden auch als lateraler Knieschmerz bezeichnet. Sie betreffen Außenband und Wadenbeinköpfchen, den äußeren Kniegelenkspalt sowie die äußeren Ober- und Unterschenkel inklusive der umgebenden Weichteile. Ausgelöst werden diese Beschwerden durch:

  • eine Außenbandverletzung des Knies oder Verletzungen des Außenmeniskus,
  • Fehlstellungen des Knies, wie X-Beine,
  • ein Verschleiß (Arthrose) des äußeren Kniegelenkspalts,
  • ständige Überbelastung des Knies bei Sportlern, wie Langstreckenläufern und Radrennfahrern. In der Folge kommt es zu gereizten oder verschlissenen Sehnen im Knie und dem sogenannten Läuferknie.

 

Warum kommt es zu Kniegelenkbeschwerden?

Kniegelenkschmerzen können auf die unterschiedlichsten Ursachen zurückgeführt werden. Hierzu gehören unter anderem Erkrankungen, Verletzungen, Fehlstellungen und Über- oder Fehlbelastungen des Knies. Einen Überblick über die Ursachen von Knieschmerzen erhalten Sie hier:

  • Der Verschleiß des Gelenkknorpels, also Arthrose des Kniegelenks, bei dem die Gelenkflächen schmerzhaft aufeinander reiben.
  • Entzündung des Kniegelenks, wie die Kniearthritis (auch: Gonarthritis). Unterschieden werden die rheumatoide Arthritis (Gelenkrheuma), die infektionsbedingte und posttraumatische Arthritis.
  • Über- und Fehlbelastungen des Kniegelenks, unter anderem durch Übergewicht oder übermäßige sportliche Betätigung.
  • Muskelverkürzungen im Ober- und Unterschenkel verursachen einen ständigen Zug auf das Kniegelenk und eine optimale Beweglichkeit wird erschwert.
  • Knieverletzungen und Kniefehlstellungen wie X- oder O-Beine können aufgrund der dauerhaften ungleichmäßigen Belastung des Knies zu einer zunehmenden Bewegungseinschränkung führen. Schmerzen treten dann zunächst nur unter Belastung und später auch im Ruhezustand auf.
  • Das steife Knie, bei dem das Knie stark bewegungseingeschränkt und sehr schmerzhaft ist.
  • Wenn der stabilisierende Bandapparat des Kniegelenks beschädigt ist, kommt es zudem zu einer Knieinstabilität.
  • Eine Beschädigungen der Bänder, zum Beispiel ein teilweiser oder kompletter Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) oder ein Meniskusriss, führt zu akuten und einschießenden Schmerzen im Moment der Ruptur (Riss). Ist der Meniskus durch Abnutzung beschädigt (degenerativer Verschleiß), kommt es zu Knieschmerzen an der Innen- oder Außenseite des Knies, je nachdem, welcher Meniskus betroffen ist.

Menisken und Kreuzbänder im Knie
Menisken und Kreuzbänder im Kniegelenk, Ansicht von oben © bilderzwerg / Fotolia

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Diagnose von Knieschmerzen

Um Kniegelenkschmerzen richtig behandeln zu können, ist es zunächst wichtig, die Ursache der Knieschmerzen eindeutig auszumachen. Im ersten und wichtigsten Schritt untersucht Sie der behandelnde Arzt, entweder der Hausarzt oder ein Facharzt für Orthopädie. Dabei kann er verschiedene Bewegungstests mit Ihnen durchführen. Meist liegen Sie dabei auf einer Behandlungsliege und der Arzt führt Ihre Beine nacheinander in bestimmte standardisierte Positionen. Je nachdem, wann genau Sie dabei Schmerzen haben oder ob die Bewegung überhaupt möglich ist, kann der Arzt seine Diagnose verfeinern.

Nach der gründlichen körperlichen Untersuchung führen Sie mit dem Arzt ein Anamnesegespräch. Der Arzt braucht zur Diagnose alle Informationen zu Ihren Schmerzen und hat folgende Fragen an Sie:

  • Wie fühlen sich die Knieschmerzen genau an?
  • Wo genau im Knie (Vorderseite, Kniekehle, Innenseite oder Außenseite) beobachten Sie die Schmerzen?
  • Seit wann bemerken Sie Ihre Knieschmerzen?
  • Sind die Schmerzen unter Belastung oder im Ruhezustand stärker?
  • Hatten Sie bereits eine Verletzung oder einen Unfall?
  • Haben Sie bestimmte Vorerkrankungen?

Im Anschluss daran werden Sie in der Regel mit einem bildgebenden Diagnoseverfahren untersucht. Das kann mittels Röntgen, Ultraschall (Sonographie) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) geschehen. So kann der Arzt Ihre knöchernen Strukturen des Kniegelenks sowie die Bänder, die Menisken und den Gelenkknorpel genauer beurteilen.

Besteht der Verdacht auf eine Entzündung des Kniegelenks kann auch eine Gelenkpunktion durchgeführt werden. Dabei wird Gelenkflüssigkeit aus der Gelenkkapsel für die weitere labortechnische Analyse entnommen.

Behandlung von Schmerzen im Knie

Je nach Ursache der Schmerzen im Kniegelenk stehen unterschiedliche Therapiemöglichkeiten zur Auswahl. Legen Sie bei akuten Schmerzen eine Pause ein und beobachten Sie genau, wo und wann der Schmerz auftritt. Kühlung mit einem Eispack kann erste Linderung verschaffen.

Die konservative Therapie

In den meisten Fällen erfolgt die Behandlung zunächst mit konservativen, also nicht-chirurgischen Maßnahmen. Hierzu gehören insbesondere die Physiotherapie und die medikamentöse Therapie mit entzündungs- und schmerzhemmenden Medikamenten. Beide Maßnahmen passen der Therapeut und der behandelnde Arzt individuell auf Ihre Beschwerden an. Speziell angefertigte orthopädische Schuheinlagen können bei Fehlstellungen der Füße auch zu Entlastungen der Kniegelenke beitragen und Schmerzen so verringern.

Ein wichtiger Baustein Ihrer Knie-Gesundheit ist außerdem eine gute Balance zwischen Ruhe und Bewegung. Mit jeder Beugung und Streckung des Knies wird die wichtige Knorpelschicht mit Nährstoffen aus der Gelenkflüssigkeit versorgt. Bewegen Sie Ihre Kniegelenke sanft, sobald Sie dies ohne größere Schmerzen tun können. Dadurch „schmieren“ Sie Ihre Gelenke und machen sie fit für den bewegten Alltag.

Chirurgische Behandlung der Knieschmerzen

Wenn Ihnen die konservativen Maßnahmen keine Besserung der Schmerzen im Kniegelenk bringen, kann eine Knieoperation in Betracht gezogen werden. Zu den minimal-invasiven Verfahren gehört die Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie), bei der mit der Schlüsselloch-Technik eine Kniescheibenfehlstellung, beschädigte Bänder oder Menisken im Knie repariert werden können. Bei der Knorpelzelltransplantation werden Knorpelzellen aus einem körpereigenen Stück Knorpel gezüchtet und in den Kniegelenkknorpel eingebracht.

Haben alle diese gelenkerhaltenden Therapieoptionen versagt, ist im letzten Schritt die Implantation eines künstlichen Kniegelenks zu erwägen. Besonders bei Arthrose des Kniegelenks kommt Gelenkersatz, also eine Knie-Endoprothese, in Frage. Der Kniechirurg wählt je nach Erkrankung eine Teilprothese (zum Beispiel ein Schlittengelenk) oder eine Vollprothese, diese wird auch Knie-TEP (Totalendoprothese) genannt. Diese Knie-TEP ersetzt den Gelenkkopf und die Gelenkpfanne des erkrankten Knies.

Knieprothese zur Behandlung von Knieschmerzen
Eine Knieprothese als Gelenkersatz © alexonline / Fotolia

Knieoperationen werden in der Regel stationär und in Teil- oder Vollnarkose durchgeführt. Danach bleiben Sie 6 bis 10 Tage im Krankenhaus. Im Anschluss an eine Knieoperation erfolgen in der Regel eine Rehamaßnahme und Nachsorgeprogramme, so dass Sie schnell wieder in Ihren Alltag zurückfinden können – mit mehr Beweglichkeit und Lebensqualität. Ihr Arzt wird diese Therapieoption mit Ihnen prüfen und absprechen.